Dreikönigenmausoleum in der
Achskapelle des Kölner Domes,
England, um 1835, kolorierte Lithografie,
Metropolitankapitel der Hohen Domkirche
Köln, Dombauarchiv


„Pilgerwelten“

Sonderausstellung im Museum REGIO vom 19. April bis 6. September 2015

Die Eröffnung der vorerst letzten Wegstrecke „Wege der Jakobspilger in Westfalen“ durch die LWL-Altertumskommission für Westfalen im Jahr 2015 ist Anlass für die Präsentation der Sonderausstellung „Pilgerwelten“ und ein umfangreiches Begleitprogramm entlang des Weges. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit der LWL-Altertumskommission für Westfalen (www.lwl.org/LWL/Kultur/Altertumskommission). Die Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft e.V. hat die Schirmherrschaft für die „Pilgerwelten“ übernommen.

In den letzten Jahren hat das Pilgern einen enormen Aufschwung erlebt. Die Welttourismusorganisation (UNWTO) geht von 350 Millionen Pilgern weltweit aus, mit steigender Tendenz. Und Pilgerreisen sind ein gutes Geschäft: 13,5 Milliarden Euro geben Pilger geschätzt auf ihren Reisen aus. Es stellt sich die Frage, was - insbesondere in modernen Industriegesellschaften - die Ursachen für diese Faszination des Pilgerns sind.

Anlass für die Ausstellung ist die Eröffnung der letzten Wegstrecke „Wege der Jakobspilger in Westfalen“ durch die LWL-Altertumskommission. Darauf Bezug nehmend liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela. Dabei wird einleitend der Blick auch auf das Pilgern in den Weltreligionen und bedeutende Pilger- und Wallfahrtsorte weltweit gerichtet, ausblickend widmet sich die Ausstellung den persönlichen Erfahrungen heutiger Pilger. Ziel ist es, die Vielschichtigkeit des Phänomens Pilgern, die sich auch aus dem Titel Pilger-Welten ergibt, für die Besucherinnen und Besucher zu erschließen.

Der Titel „Pilgerwelten“ macht deutlich, dass es nicht die eine Welt des Pilgers gibt, sondern dass es zahlreiche Pilger-Welten gibt, voneinander getrennte wie auch miteinander in Beziehung stehende. Diese sollen hier im Zusammenhang der Ausstellung kurz vorgestellt werden:

PILGERWELT 1

Pilgern ist eine religiöse Praxis, die in allen Weltreligionen gelebt wird. Es ist also ein Thema, mit dem Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit heute miteinander ins Gespräch kommen können. Die Ausstellung stellt das Pilgern in den Weltreligionen vor und präsentiert anhand von zeitgenössischen Fotos aus aller Welt einen „Pilgerkosmos“.

PILGERWELT 2

Die christliche Tradition des Pilgerns beginnt in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus vereinzelt, im 4. Jahrhundert verstärkt mit Pilgerreisen nach Jerusalem zum Grab Christi, nach Rom zu den Apostelgräbern und seit dem 9. Jahrhundert nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakobus. Der besonderen Bedeutung von Jerusalem als terra sancta trägt die Ausstellung mit Berichten von Jerusalemreisenden und -pilgern Rechnung.

PILGERWELT 3

Während das Pilgern nach Jerusalem einer wohlhabenden Elite vorbehalten war, entwickelte sich die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela seit dem 11. Jahrhundert zu einer Massenwallfahrt, die im 14.6#47;15. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Die Wege der Jakobspilger durchzogen ganz Europa und führten auch durch Westfalen. Diese Spuren zeigt die Ausstellung auf.

PILGERWELT 4

Die Motive, sich auf eine Pilgerfahrt zu begeben, sind von Beginn an vielfältig. Religiöse und weltliche Gründe sind gleichermaßen zu finden. Im Mittelalter gab es beispielsweise die Pilgerschaft um Christi willen, die Bußwallfahrt, die Bittwallfahrt, die Wallfahrt, um ein Gelübde zu erfüllen, die Strafwallfahrt oder die Stellvertreterwallfahrt. Auch zu dieser Zeit verbanden sich bereits religiöse Motive mit dem Interesse, fremde Länder kennenzulernen. Die Ausstellung thematisiert die unterschiedlichen Motive in Geschichte und Gegenwart. Dazu wurden Interviews mit heutigen Pilgern unterschiedlicher Konfession und Religion gemacht.

PILGERWELT 5

Pilgern wird heute als eine Form moderner Spiritualität erfahren, die offenbar für viele Menschen anschlussfähig ist. Sie wünschen sich eine Auszeit vom Alltag, eine Phase der Regeneration und Neuorientierung. Nicht nur für Christen, auch in anderen Religionen ist das Pilgern heute in unterschiedlicher Intensität religiös motiviert. Dies kommt in den Interviews mit Pilgern deutlich zum Ausdruck.

Das wertvollste Stück der Ausstellung ist das Pilgertagebuch des rheinischen Adeligen Arnold von Harff (1471-1505), der zwischen dem 7. November 1496 und 10. Oktober 1499 eine (Pilger-)Reise unternahm, die ihn zu den klassischen Heiligen Orten der Christenheit Jerusalem (mit Sinai), Rom, Santiago und auch anderen Pilgerorten in Südeuropa und im Nahen Osten führte. In seinem Vorwort schreibt er, dass sein Bericht zur Nutzung als Reiseführer vorgesehen sei. Sein Reisebericht ist ein herausragendes Dokument, das den Übergang vom Spätmittelalter in die aufkommende Renaissance wieder gibt. Die Handschrift stammt aus der Bibliothek des Klosters Maria Laach.

Für die freundliche Unterstützung danken wir der LWL-Kulturstiftung für Westfalen (www.lwl-kulturstiftung.de) und der Sparkasse Münsterland Ost (www.sparkasse-muensterland-ost.de).
Foerderer
LWL-Kulturstiftung                           Sparkasse Münsterland Ost
LWL Kulturstiftung Sparkasse Münsterland Ost
Weitere Förderer der Ausstellung sind:

Bernd Münstermann GmbH & Co. KG, www.muenstermann.com
Biblische Reisen GmbH, www.biblische-reisen.de
Stiftung Sakrale Kunst
BOLLE Holding GmbH, www.bolle.net

Wirken auch Sie mit - als Förderer.
Sprechen Sie uns an!
Kontakt: Dr. Anja Schöne
Tel. +49 - 2504 - 93 12 14
anja.schoene@telgte.de


Weitere Links zum Pilgern:

Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft e.V. www.deutsche-jakobus-gesellschaft.de
Deutscher Verein vom Heiligen Lande www.dvhl.de
Jakobus Münster www.jakobus-muenster.de
Komitee Sankt Gertrud Wattenscheid e.V. www.komitee-sankt-gertrud.de
DVHL Heilig-Land-Reisen GmbH www.heilig-land-reisen.dedvhl-logo


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