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Das Telgter Hungertuch von 1623

Der Telgter Pfarrer Bitterus Willge, der in der untersten Bildreihe mit seinen Initialen vertreten ist, gab wohl die Initiative. Es ersetzte ein älteres Hungertuch, das 1621 dem Krieg zum Opfer gefallen war.

Die Filetstopfarbeit aus doppelt gezwirnten Leinenfäden auf geknüften Netzen wurde von adligen Damen der Ritterfamilien Vos, Droste, Brockhausen oder Bischopping, und von Münster ausgeführt.

Die ersten vier Reihen schildern den Leidensweg Christi, die fünfte Reihe zeigt die Symbole der Evangelisten und das „Lamm Gottes“ als Sinnbild für Christus, die sechste Reihe bringt Motive aus dem Alten Testament. Die Szenen gehen stilistisch auf gotische Vorbilder zurück. Mittelalterlich ist auch die Vorstellung, dass die bedeutenderen Figuren größer dargestellt sind. Häufig wurden Schablonen verwendet, so für die Figur von Christus, die Frauen oder die Schächer.

Bis 1905 wurde das Tuch in jedem Jahr während der vorösterlichen Fastenzeit in der Pfarrkirche St. Clemens im ersten Chorbogen aufgehängt. Das Telgter Hungertuch - plattdeutsch: „Smachtlappen“ - gehört zu der Gruppe von westfälischen Fastentüchern mit figürlichen Darstellungen. Dazu gehören auch die Tücher in Everswinkel, Alverskirchen, Vreden und Freckenhorst, die heute noch benutzt werden oder in den Kirchen ausgestellt sind.

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Foto: Stefan Kube © REGIO